Straumen statt Sturm – Pollacks vom Ufer

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Fertig montiert und los geht's ....
Fertig montiert und los geht's ....

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Zwei Rehkitze am Wegesrand verharren wie Statuen und warten bis Mutti sie abgeholt hat - Natur pur in Hagland!
Zwei Rehkitze am Wegesrand verharren wie Statuen und warten bis Mutti sie abgeholt hat - Natur pur in Hagland!
Am Straumen! Blick nach Westen, wo bald die offene See beginnt.
Am Straumen! Blick nach Westen, wo bald die offene See beginnt.
Sieht aus wie ein Fluss - hübsch gelegen und mit starker Strömung. Ist aber eine Meerenge voller Fisch!
Sieht aus wie ein Fluss - hübsch gelegen und mit starker Strömung. Ist aber eine Meerenge voller Fisch!
Elmar keschert seinen ersten Pollack des Tages.
Elmar keschert seinen ersten Pollack des Tages.
Jawoll! Wir haben den Bogen raus!
Jawoll! Wir haben den Bogen raus!
"Gib dem Pollack Gummi!"
"Gib dem Pollack Gummi!"
Schöner Fisch in schöner Natur - Pollackangeln in Hagland.
Schöner Fisch in schöner Natur - Pollackangeln in Hagland.
Ein schöner Brocken, der die Bremse zum Kreischen brachte ....
Ein schöner Brocken, der die Bremse zum Kreischen brachte ....
Blick von den traumhaft gelegenen Häusern von Hagland Lille
Blick von den traumhaft gelegenen Häusern von Hagland Lille

Rubrik: Fishmaps-Bericht
Region: West-Norwegen
Fischarten: Pollack, Meerforelle
Angelmethoden: Spinnfischen

Geo. Länge: 5.256078
Geo. Breite: 59.497230

Sturm. Och nööööö ...!

Elmar und ich befinden uns in Hagland, einer wunderschönen Gegend nördlich von Haugesund, freuen uns auf tolles Meeresangeln vom Kleinboot und haben … Sturm! Klar kennen das viele von uns aus eigener Erfahrung. Und natürlich steht fest, was die nächste Reaktion ist: Landkarte raus und beangelbare Küstenstellen suchen!

Und da haben wir es tatsächlich gut getroffen: in fußläufiger Entfernung liegt ein kleiner Straumen (= Meerenge), der den großen, seeähnlichen Viksefjord mit der offenen See am Ausgang des Bømlafjords verbindet. Von ortskundigen Anglern, die wir auf der Anlage Hagland Lille, auf der wir untergebracht sind, trafen, wurde sogar von Lachsen und guten Meerforellen berichtet, die durch den Straumen ziehen und gar nicht mal so selten an die Angel gehen. Ansonsten lauern natürlich Pollacks an diesen strömungsreichen Kanten.

Also Spinnrute klarmachen, eine handvoll Gummifische und Blinker, einen Unterfangkescher und Kamera einpacken und los geht’s! Vom Haglandsvejen am Südufer des Straumen bahnen wir uns unseren Weg einen steilen, gras- und strauchbewachsenen Hang hinunter ans Wasser. Wenn man es nicht wüsste, würde man sofort glauben, man sei an einem idyllisch gelegenen, wunderschönen Fluß irgendwo in Mittel-Norwegen. Von Büschen und Bäumen bewachsene Ufer mit hervorspringenden Felsen umrahmen einen Straumen, der zum Gezeitenwechsel eine kräftige Strömung aufweist und an seiner engsten Stelle keine zehn Meter breit ist.

Elmar hat seinen Gummifisch bereits die ersten Male durch die Strömung treiben lassen und eingeholt, als der erste Schatten sich hinter dem Köder zeigt. Beim nächsten Wurf von Elmar endlich Biss und … ab! Der flossentragende Unbekannte ist derart hart auf den Gummifisch eingestiegen, dass er das vorgeschaltete Monofil gesprengt hat! Während Elmar wieder montiert, werfe ich meine Sandaal-Imitation (diese Sidewinder-Sandeels hatten wir uns vor zwei Jahren mal auf der Kanalinsel Jersey besorgt, wo sie DER Wolfsbarschköder schlechthin sind und auch in Deutschland vor Baltrum schon einige Wolfsbarsche überlisten konnten) gegen die Strömung aus, lasse den Köder bis in Grundnähe sinken und zupfe ihn dann auf meiner Höhe – quasi vor meinen Füßen - wieder zu mir heran. Und auch hier: ein großer Schatten verfolgt den Köder und dreht wieder ab! Nächster Wurf … der Gummi-Sandaal ist auf meiner Höhe, ein Schlag geht durch die Rute, die Bremse kreischt und der erste gute Pollack liefert in der Strömung einen tollen Kampf! Kurze Zeit später liegt dieser wunderschöne, bronze gänzende Fisch im Kescher und der Sturm ist vergessen …

Jetzt haben wir den Bogen raus: die nächsten Pollacks steigen bei Elmar und mir ein und unser Abendessen ist gesichert. In der Zwischenzeit haben uns neugierige Augen aus einem gegenüber liegenden Ferienhaus begleitet. Wenige Minuten später steht der Besitzer der Augen mit Angel und Gemahlin am gegenüberliegenden Ufer und versucht ebenfalls sein Glück. Auch am Auslauf des Straumens zu unserer Linken sitzen zwei Angler und versuchen, hier die Sturmpause sinnvoll zu überbrücken.

Allerdings scheint irgendwie ein wenig aus der Beißlaune der Pollacks die Luft raus zu sein, denn die Bisse bleiben aus. Wir vermuten, dass die nachlassende Strömung infolge des Endes des Gezeitenwechsels der Hauptgrund für die passiveren Fische ist. Immerhin können die Angler zu unserer Linken noch eine Meerforelle (kein Riese – aber immerhin!) landen und ebenfalls unterstreichen, dass es immer einen Versuch Wert ist, mal der norwegischen Küstenangelei eine Chance zu geben.

Für uns steht fest, dass wir zukünftig – egal ob Sturm oder nicht – viel öfter mal solchen Uferstellen in Norwegen einen Besuch abstatten wollen. Sowas ist außerdem auch mal eine ganz nette Erholung zum tagelangen Schwanken auf einem Boot! Wie auch immer … wir werden berichten!

Nicht unwichtiger Hinweis zum Schluss: Am Ufer des Straumens hatte ich tatsächlich eine Zecke entdeckt, die über meine Hose lief und somit rechtzeitig entfernt werden konnte. Zecken waren im Sommer 2010 in Norwegen auch ein großes Thema in örtlichen Tageszeitungen, da diese unliebsamen Wegelagerer auch in Süd- und Mittel-Norwegen immer öfter auftauchen. Also: Helle Hosen (so entdeckt man die Krabbelviecher besser) anziehen, Zeckenschutzmittel auftragen und auch nach dem Angeln nochmal ausführlich gucken, ob man neben Fischen nicht noch ungewollt andere Tiere mit genommen hat ….

Nüzzjanix,

Holger