Sommernacht im Nordatlantik

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Im T-Shirt vor der Unterkunft und Sven bastelt ....
Im T-Shirt vor der Unterkunft und Sven bastelt ....

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Blick von unserer Unterkunft auf den Hafen von Havøysund
Blick von unserer Unterkunft auf den Hafen von Havøysund
Die erste Drift und die erste krumme Rute!
Die erste Drift und die erste krumme Rute!
Toller Dorsch in toller Umgebung!
Toller Dorsch in toller Umgebung!
Und irgendwo da hinten ist der Nordpol ...
Und irgendwo da hinten ist der Nordpol ...
Ein stilechter Mitternachtstrunk für die "Nicht-Bootsfahrer"... Skål!
Ein stilechter Mitternachtstrunk für die "Nicht-Bootsfahrer"... Skål!
9. Juli 2009, 0.13 Uhr - dunkel ist was anderes!
9. Juli 2009, 0.13 Uhr - dunkel ist was anderes!
Der Lumb hatte Hunger ... mächtig Hunger!
Der Lumb hatte Hunger ... mächtig Hunger!
Irrer Anblick im kristallklaren Wasser - der Steinbeisser
Irrer Anblick im kristallklaren Wasser - der Steinbeisser
"Giant Jig Head" und "Giant Jaw Head"
"Giant Jigging Shad" und "Giant Jaw Head"

Rubrik: Fishmaps-Bericht
Region: Nord-Norwegen
Fischarten: Dorsch, gestreifter Steinbeisser, Lumb, Schellfisch
Angelmethoden: Bootsangeln, Pilken

Geo. Länge: 24.416084
Geo. Breite: 71.004001

Juli in Nord-Norwegen.

Eisiger Wind. Schneeregen. Schaukelnde Boote in grauen Wellen. Die letzten Tage während des 1. PENN Norwegencups in Havøysund hat uns das Wetter hier im Norden gezeigt, wozu es fähig ist.

Und jetzt? Im T-Shirt in der Sonne sitzend Montagen knüpfen und das Gerät aufklaren. Denn der nordische Sommer ist da! Quasi von einer Stunde auf die andere! Obwohl wir alle nach vier Tagen konzentrierter Fischerei völlig erschlagen sind, wollen wir dieses unverhoffte Wetter-Geschenk nutzen und bei strahlend blauem Himmel und Windstille in die Nacht hinein fischen.

Gegen Abend steuern wir unser Boot in westlicher Richtung durch den Sund und laufen Tiefen zwischen 50 und 120 Metern an. „Wir“, das sind Sven von Rute&Rolle, Holger vom Angelvideo-Portal bissclips.tv und Dieter, ein Rute&Rolle-Leser, Gewinner der Teilnahme am PENN-Cup und erfahrener Norwegenangler sowie meine Wenigkeit. Wir haben es auf Dorsch und Steinbeisser abgesehen und hoffen natürlich auf einen Heilbutt-Biss! In den letzten Tagen kamen nämlich einige dieser stolzen Platten an Bord. Aber bei der Jagd nach diesen kämpferischen Räubern ist immer erheblich viel Glück im Spiel!

Als wir unsere erste Angelstelle angelaufen haben und der Motor abgestellt ist, stellt es sich wieder ein, dieses ganz besondere Gefühl, wenn man hier oben im Norden draußen in der gewaltigen Natur sein darf und plötzlich kein Verkehrslärm oder Stimmengewirr die Sinne beansprucht. Man atmet kristallklare Luft und beobachtet die Sonne, die sich langsam Richtung Horizont bewegt. Und dann lässt man zum ersten Mal den Köder in die Tiefe ….

Pilker und Gummifische tanzen in Grundnähe. Ruten heben und senken sich … bis der erste Ruck durch eine Rute geht und dem ersten Dorsch den Weg an die Oberfläche zeigt. Mit ca. 10 Pfund kein Riese für nordnorwegische Verhältnisse, aber ein wunderschöner Fisch, den Holger Höner aus dem Wasser hebt. Einem 23 cm langen Wildeye Giant Jigging Shad von Storm konnte der Bartelträger nicht widerstehen! Nach und nach krümmen sich auch die Ruten der anderen und schöne Schellfische, Dorsche bis 20 Pfund und ein paar richtig dicke Lumb erblicken die Mitternachtsonne. Wir nehmen ein paar Fische für die Küche mit, aber entlassen viele Fische wieder in ihr kaltes Element.

Ein anderes Plateau – eine andere Fischart: in Tiefen um 80 Meter stürzen sich plötzlich die grimmig aussehenden Steinbeißer auf die Gummifische. Es ist ein absolut faszinierender Anblick, wenn man schon in über 10 Metern Tiefe in diesem kristallklaren Wasser den getigerten Räuber erkennt, der am anderen Ende der Schnur allmählich Meter um Meter nach oben kommt. Vor diesen urzeitlich aussehenden Fischen habe ich nach wie vor einen Heidenrespekt, denn was in deren Kiefer gelangt, kommt meist unschön verändert (wenn überhaupt) wieder ans Tageslicht. Da werden Gummfische zerbissen, Drillinge geknackt und es wird wütend nach allem gebissen, was in Reichweite scheint. Aber in der Küche ist der „Steinbit“, wie er in Norwegen genannt wird, eine Klasse für sich!

Immer wieder ungläubiges Staunen auch, wenn zwischenzeitlich mal jemand auf die Uhr schaut und irritiert feststellt, dass es bei herrlichstem Dämmerungslicht und nach wie vor über dem Horizont stehender Sonne gerade 1.30 Uhr nachts ist! Aber irgendwann siegt die Vernunft und wir beenden diesen wunderschönen Mitternachts-Trip zwar ohne Heilbutt aber mit Unmengen an tollen Bildern in unseren Köpfen … und einigen auch auf den Chip der Digitalkamera gebannt.

Eigentlich ein ganz normaler Angeltrip. Aber ins Licht der nordischen Sonne getaucht viel mehr als das …!

Norwegen, wir kommen wirder!

Holger