Mach 'ne Mücke – Fliegenfischen an der Hemsila

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Blick von der Brücke ...
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Hinten links in der Bucht sahen wir sie dann!
Hinten links in der Bucht sahen wir sie dann!
Die "normalerweise" fängigen Muster an der Hemsila
Die "normalerweise" fängigen Muster an der Hemsila
Elmar beim ersten Anwerfen der steigenden Fische
Elmar beim ersten Anwerfen der steigenden Fische
Guck mal, wer da schlüpft! Eine Mücke ...
Guck mal, wer da schlüpft! Eine Mücke ...
Die "Diawl Bach" - klein, aber klasse!
Die "Diawl Bach" - klein, aber klasse!
Forellenpirsch im Dämmerlicht
Forellenpirsch im Dämmerlicht
Und Forelle gehakt!
Und Forelle gehakt!
Kurz bevor die Dunkelheit endgültig hereinbrach: Die erste Bachforelle des Tages!
Kurz bevor die Dunkelheit endgültig hereinbrach: Die erste Bachforelle des Tages!
Und nach diesem Trip saß ich am Bindestock und füllte den "Diawl Bach"-Bestand mal so richtig auf!
Und nach diesem Trip saß ich am Bindestock und füllte den "Diawl Bach"-Bestand mal so richtig auf!

Rubrik: Fishmaps-Bericht
Region: Ost-Norwegen
Fischarten: Bachforelle
Angelmethoden:

Geo. Länge: 8.651208
Geo. Breite: 60.814560

War eigentlich alles klar, als Elmar und ich an der Hemsila standen: Eintagsfliegenmuster als Trockenfliege sind hier auf die scheuen Bachforellen angesagt. Bekommt man schließlich bei der ausführlichen Online-Recherche vor Tour-Beginn und von den örtlichen Guides immer wieder gepredigt. So strotzt auch die umfangreiche Fliegenfischer-Abteilung des örtlichen Sportgeschäfts in Hemsedal nur so vor kleinen und kleinsten, filigran gebundenen Varianten der Ephemerella Auriivillii und weiterer Insekten der Region Hemsedal.

Natürlich hatten wir vor dem Trip bereits eigene Muster gebunden und uns ebenfalls eine stattliche Anzahl der regionalen Muster besorgt. Kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, wenn die Fische steigen. Und wie sie steigen!

Wir stehen auf der Brücke bei Øynane südlich des Ortes Hemsedal und haben an der Westseite der Hemsila mehrere sehr aktive Fische am Rande einer flachen Bucht ausgemacht. Da wir von der Westseite an diesem Abschnitt nicht fischen dürfen, suchen und finden wir eine Querung vom Ostufer aus. Einen kleinen Landvorsprung als Deckung nutzend pirschen wir uns in geduckter Haltung in Wurfweite heran. Mehrere gute Fische ziehen Ihre Kreise und nehmen fast ununterbrochen Nahrung von der Oberfläche. Da muss was gehen!

Unter Hochspannung ziehen wir Schnur von der Rolle, ein paar Leerwürfe und schon landet die 16er Trockenfliege direkt vor den patrouillierenden Fischen. Gut, dieses Muster wollen sie also nicht. Kleine, helle Eintagsfliegen treiben sporadisch auf der Wasseroberfläche. Ein helleres Muster anknüpfen, anwerfen und … wieder keine Reaktion! Weder bei Elmar noch bei mir scheinen sich die Forellen auch nur ansatzweise für die unterschiedlichsten Trockenfliegenmuster zu interessieren.

Dort wo die Forellen steigen, fallen kleine Ringe auf, fast so, als wenn kleine Regentropfen sachte auf die Wasseroberfläche treffen. Ein paar der Verursacher dieser Regentropfen treiben mir in einer Rückströmung entgegen, als ich mich vorsichtig noch näher an die heute gar nicht mal so scheuen Fische pirsche: Mücken! Hier in dieser flachen und leicht schlammigen Bucht schlüpfen Tausende von Mücken! Wahrscheinlich haben die Hemsila-Bachforellen an diesem Abend reine Mücken-Diät. Aber nichts einfacher als das: Muster von Mücken habe ich verschiedene dabei. Und nachdem wir pflichtbewusst sowohl Trockenfliegen- als auch Emerger-Muster von Mücken serviert haben und wieder keinerlei Reaktion bei den Forellen hervorrufen konnten, bin ich – zumindest mit meinem Trockenfliegen - Latein am Ende.

Und überhaupt: so richtig von der Oberfläche scheinen die Bachforellen die Nahrung auch gar nicht zu nehmen. Es scheint, als schlürfen sie knapp unter der Oberfläche befindliche und sich am Steigen befindliche Nymphen auf. Fast ein wenig verlegen in Anbetracht der Anwesenheit in einem Trockenfliegen-Paradies wandert meine Hand zu meiner Nymphenbox. Ich knüpfe eines meiner Lieblingsmuster an: eine „Diawl Bach“. Ein unglaublich schlichtes und einfach zu bindendes Muster, dessen walisischer Name ins Deutsche übersetzt „kleiner Teufel“ bedeutet. In England ist diese unspektakuläre Nymphe seit Jahren das beliebteste Muster zum Fischen auf Forellen an großen Seen. Nur sind wir hier ja nicht in England …

Der erste Wurf serviert die Nymphe direkt im Bereich der aktiven Fische. Ich lasse die Diawl Bach ein wenig sinken und beginne im Zeitlupentempo die Schnur in Achterklängen einzuholen. Plötzlich strafft sich die Schnur, der Fisch schießt davon und … ab!! Ehe ich richtig den Biss realisiert habe, hat sich die erste Hemsila-Forelle mit der Nymphe davon gemacht und das 0,12er Vorfach gesprengt.

In der Hoffnung, dass der Fisch die 14er Nymphe schnell wieder los wird und nebenbei nicht die anderen Fische verscheucht hat, knüpfe ich die nächste Diawl Bach an und wiederhole das Spiel: Auswerfen, im Schneckentempo die Nymphe führen und … Biss! Diesmal federt die 4er-Rute die Fluchten der Bachforelle perfekt ab und kurze Zeit später wandert die erste Hemsila-Bachforelle in meinen Watkescher. Wunderschön gezeichnet und toll in Form – hierfür kommen jedes Jahr Fliegenfischer aus allen Ländern an diesen schönen Fluss. Nach kurzem Fototermin entlasse ich sie wieder in ihr Element.

Da es bereits dunkel wird und die Aktivität der Fische nachlässt, beenden Elmar und ich das heutige Fischen. Tja, und wenn es wirklich etwas gibt, was ich mal wieder beim Angeln gelernt habe, dann die immer wiederkehrende Wahrheit: „Regeln sind zum brechen da!“. Und genau das macht für mich unser Hobby so spannend!

Nüzzjanix,

Holger

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